Sachsen-Anhalt

Garage bauen in Sachsen-Anhalt

Ist ein neues Eigenheim geplant, gehört zum Projekt in der Regel nicht nur das Wohnhaus selbst, sondern auch eine Garage. Die dient als Unterstand für Auto, Motorrad oder Fahrräder und kann in verschiedenen Größen und Varianten errichtet werden. Fertiggaragen sind besonders günstig und besitzen eine kurze Bauzeit, massive Garagen lassen sich individuell gestalten und an die Architektur des Wohnhauses anpassen. Ebenfalls möglich sind Garagen mit Einliegerwohnung oder Anbaugaragen, die direkt vom Haus aus zugänglich sind. Am Anfang der Planungsphase muss abgeklärt werden, ob die Garage eine Baugenehmigung braucht. Dies ist in der Landesbauordnung der jeweiligen Bundesländer festgelegt. Die Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA) trifft Festlegungen, welche Gebäude verfahrensfrei, also ohne Bauantrag, errichtet werden dürfen.

Rund um die Garage hat Sachsen-Anhalt unterschiedliche Verordnungen und Regelwerke, die festlegen, welche Bedingungen ein Gebäude erfüllen muss, um genehmigungs- und nutzungsfähig zu sein. Wichtig dabei zu wissen: Auch bei Verfahrensfreiheit muss die Garage nach den bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Vorschriften im Land errichtet sein, die Bauvorlagen werden der zuständigen Gemeinde und dem Bauamt zur Information vorgelegt. Überschreitet die Garage die Mindestabmessungen, müssen Sie den dann nötigen Bauantrag durch einen bauvorlageberechtigten Planer erstellen lassen und einreichen. Dies betrifft in der Regel Mehrfachgaragen, aber auch solche, an die zusätzliche Räume angebaut sind. Garagen, die direkt ans Haus gebaut werden, werden innerhalb des Bauantragsverfahrens für das Wohngebäude mit beantragt. Mit dem Bau begonnen werden darf erst dann, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Beim Bau einer Fertiggarage übernehmen zum Teil auch die Hersteller das bürokratische Antragsverfahren. Wichtig ist es hier, dass Sie sich vorab ein Angebot erstellen lassen, denn die Beantragung ist nicht im Preis für die Fertiggarage enthalten.

Der Bauantrag in Sachsen-Anhalt

In der Bauordnung für Sachsen-Anhalt ist definiert, dass vor der Errichtung eines Gebäudes ein Bauantrag gestellt werden muss. Dazu müssen die vorgeschriebenen Bauvorlagen samt Unterschrift des Planers eingereicht werden. Sie dürfen mit dem Bau erst beginnen, wenn die Genehmigung vorliegt. Damit Ihr persönlicher Bauzeitenplan eingehalten wird, ist es wichtig, den Bauantrag frühzeitig zu stellen und dabei auf die in der Bauordnung genannten Fristen für Eingangsbestätigung und Bearbeitung zu berücksichtigen. Wichtig zu wissen: Das Bauamt beginnt erst dann mit der Prüfung und Beurteilung Ihres Bauvorhabens, wenn alle Unterlagen vollständig eingegangen sind. Ab dann läuft auch die vorgeschriebene Bearbeitungsfrist, die ebenfalls in der Landesbauordnung geregelt ist. Mit einem vereinfachten Baugenehmigungsverfahren, bei dem nur ein Teil der Unterlagen geprüft wird, verkürzen sich diese. Weiterhin benennt die Bauordnung sogenannte verfahrensfreie Bauvorhaben. Dazu zählen in Sachsen-Anhalt Garagen im Innenbereich bis zu einer bestimmten Größe und im Bereich eines Bebauungsplans:

  • Eine Garage ist verfahrensfrei, wenn die mittlere Wandhöhe 3 m nicht überschreitet und die Grundfläche der Garage maximal 50 m² beträgt.
  • Die Garage wird im Geltungsbereich eines Bebauungsplans errichtet und widerspricht dessen Festsetzungen nicht.

Die Bauunterlagen müssen auch dann vorgelegt werden, wenn die Garage verfahrensfrei ist. Dabei gilt, dass alle Unterlagen den rechtlichen und planerischen Vorgaben entsprechen. Die Einreichung erfolgt in Sachsen-Anhalt bei der zuständigen Gemeinde. Die wiederum legt die Unterlagen bei der unteren Bauaufsichtsbehörde ein. Kommt innerhalb von einem Monat kein Widerspruch und werden keine weiteren Bauvorlagen angefordert, dürfen Sie nach Verstreichen der Frist Ihre Garage in Sachsen-Anhalt bauen.

Stellen Sie aufgrund der Größe und Lage der Garage einen Bauantrag für Ihr Vorhaben, dann sollten Sie den Antrag zusammen mit dem fürs Wohnhaus stellen und zwar auch dann, wenn der Bau der Garage später geplant ist. Ab dem Datum der Genehmigung können Sie den Baubeginn innerhalb von drei Jahren terminieren und können die Frist auf schriftlichen Antrag sogar noch um jeweils ein Jahr verlängern. Unterbrechen Sie den Bau genehmigungsbedürftiger Bauvorhaben mehr als drei Monate, dann sind Sie verpflichtet, die Wiederaufnahme eine Woche vor Beginn ebenfalls ans Bauamt zu melden.

Die Landesbauordnung für Sachsen-Anhalt (BauO LSA) und andere Regelwerke

Das in ganz Deutschland geltende Baugesetzbuch (BauGB) legt die wichtigsten grundsätzlichen Regelungen für Bauvorhaben in Deutschland fest. Da Baurecht auch Ländersache ist, besitzt Sachsen-Anhalt wie die anderen Bundesländer auch eine Landesbauordnung, in der verschiedene Punkte individuell und anders als in anderen Ländern geregelt sind. Die BauO LSA behandelt Vorgaben zur Bauplanung und Bauausführung und legt fest, wann ein Bauantrag erstellt werden muss. In der Verordnung über Bauvorlagen und bauaufsichtliche Anzeigen (Bauvorlagenverordnung – BauVorlVO) ist festgelegt, welche Bauvorlagen in welcher Form eingereicht werden müssen. Dies variiert je nach Art des Bauwerks und des geforderten Antrags. Die Garagenverordnung trifft Regelungen zur Garage selbst sowie zu deren Erschließung und Nutzung. Schließlich sind die Technischen Baubestimmungen von Sachsen-Anhalt relevant. Diese enthalten eine Sammlung rechtsverbindlicher Normen und Richtlinien für die Errichtung von Gebäuden. Wird eine Garage auf die Grenze gebaut, dann kann das auch Ärger mit dem Nachbarn geben. Im Nachbarrechtsgesetz von Sachsen-Anhalt finden Sie hier wichtige Anhaltspunkte, zum Beispiel für den Fall, dass Sie das andere Grundstück betreten müssen, um Arbeiten an der Garage durchzuführen.

Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA)

Der § 2 der BauO LSA wird im Abschnitt 7 der Begriff der Garage genau definiert. Darin steht:

„Garagen sind Gebäude oder Gebäudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeugen. Ausstellungs-, Verkaufs-, Werk- und Lagerräume für Kraftfahrzeuge sind keine Stellplätze oder Garagen.“

Die Bauordnung legt weiterhin fest, in welchen Fällen eine Garage mit und wann ohne Baugenehmigung errichtet werden darf und wie das Bauen direkt auf der Grundstücksgrenze geregelt ist. Für den Fall der Verfahrensfreiheit benennt die Bauordnung die rechtlichen Voraussetzungen und wo, bzw. in welcher Form die Unterlagen über das Bauvorhaben eingereicht werden müssen.

Die Bauvorlagenverordnung in Sachsen-Anhalt

Die Bauvorlagenverordnung benennt, welche Unterlagen zu den Bauvorlagen gehören und wie diese gestaltet sein müssen. Mit dem Bauantrag müssen die Unterlagen 3-fach eingereicht werden. Grundsätzlich müssen Bauvorlagen aus licht- und alterungsbeständigem Papier bestehen, die Übergabe erfolgt im DIN A 4-Format, große Pläne müssen entsprechend auf dieses Format gefaltet werden. Folgende Unterlagen sind mindestens notwendig:

  • Lageplan und Auszug aus dem Liegenschaftskataster
  • Bauzeichnungen
  • Bau- und Betriebsbeschreibungen
  • Berechnungen
  • Standsicherheitsnachweis
  • Brandschutznachweis
  • Angaben über die gesicherte Erschließung
  • Unterlagen und Nachweise mit Angaben zu anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften

Braucht die Baubehörde für die Beurteilung und Genehmigung des Vorhabens weitere Unterlagen, kann es diese anfordern. Liegt eine Genehmigungsfreistellung vor, dann erhält die Gemeinde die genannten Unterlagen in einfacher Ausfertigung.

Die Garagenordnung von Sachsen-Anhalt

Die Verordnung definiert die Garage im Einzelnen und benennt wichtige Aspekte, die Sie bei der Planung und Ausführung beachten müssen. Unterschieden wird zwischen offenen und geschlossenen Garagen. Dazu steht in den Absätzen 7 und 8 im § 1 der Verordnung folgendes:

(7) Offene Kleingaragen sind Kleingaragen, die unmittelbar ins Freie führende unverschließbare Öffnungen in einer Größe von insgesamt mindestens einem Drittel der Gesamtfläche der Umfassungswände haben.

(8) Geschlossene Garagen sind Garagen, die die Voraussetzungen nach den Absätzen 6 und 7 nicht erfüllen

Vorgaben werden auch zur Berechnung der Nutzfläche gemacht. Diese setzt sich aus allen Verkehrs- und Stellflächen zusammen, die sich innerhalb der Garage befinden. Flächen auf dem Dach und die Verkehrsflächen dazu gehören nicht zur Nutzfläche.

Weiterhin gibt es Unterscheidungen hinsichtlich der Garagengröße. Diese wiederum entscheidet, welche Vorschriften zum Beispiel zur Ausführung der tragenden Bauteile, insbesondere hinsichtlich des Brandschutzes eingehalten werden müssen. Die GaVO unterscheidet dabei drei Garagenklassen:

  • Kleingaragen mit einer Nutzfläche bis 100 m²
  • Mittelgaragen mit einer Nutzfläche zwischen mehr als 100 und 1.000 m²
  • Großgaragen mit einer Nutzfläche von mehr als 1.000 m²

Für Kleingaragen, wie sie im Wohnhaus- bzw. Einfamilienhausbau die Regel sind, gilt für die Konstruktion und Errichtung folgendes:

  • Tragende Wände und Decken sind ohne Feuerwiderstand zulässig.
  • Grenzt eine Garage an andere Räume müssen die Trennwände, Decken und die Abschlüsse feuerhemmend sein. Angrenzende Abstellräume bis zu einer Größe von 20 m² werden dabei nicht berücksichtigt.
  • Für die Aufbewahrung von Kraftstoff in Garagen gilt für Diesel eine Obergrenze von 200 l und für Benzin von 20 l. Voraussetzung ist, dass der Kraftstoff in dicht verschlossenen und bruchsicheren Behältern aufbewahrt wird.
  • Zu- und Abfahrten von Garagen müssen mindestens 3 m lang sein. Ausnahmen sind möglich, wenn der öffentliche Straßenraum einsehbar ist.

Hinsichtlich der Abmessungen von Einstellplätzen sagt die GaVO folgendes:

  • Notwendige Einstellplätze müssen mindestens 2,30 m breit und 5 m lang sein.
  • Befinden sich an den Längsseiten Wände oder Stützen, dann ist je Seite ein Zuschlag zur Stellplatzbreite von 0,1 m gefordert.
  • Für Behindertenparkplätze oder Garagen muss die Breite 3,50 m betragen.

Regeln gibt es auch dafür, wo Fahrzeuge grundsätzlich abgestellt werden. In Gebäuden, die keine Garagen sind, ist dies dann erlaubt, wenn das Tankvolumen aller abgestellten Fahrzeuge eine Größe von 12 l nicht überschreitet und der Raum keine Zündquellen oder leicht entzündliche Stoffe enthält.

Das Nachbarrechtsgesetz von Sachsen-Anhalt

Kleingaragen dürfen auf dem Grundstück auch direkt auf die Grenze gebaut werden. Das kann in verschiedenen Fällen Ärger mit dem Nachbarn geben, vorherige Absprachen sind auf jeden Fall sinnvoll. Sind an der Garage Arbeiten nötig, dann besagt das Gesetz, dass der Nachbar auch ein Betreten seines Grundstückes zulassen muss. Dies gilt dann, wenn die Arbeiten anderweitig nur mit unverhältnismäßigem Aufwand durchgeführt werden können. Geregelt ist dies im Abschnitt 5 „Hammerschlags- und Leiterrecht“. Sie dürfen das Nachbargrundstück betreten und dort Gerüste aufstellen oder Baustoffe über das Grundstück transportieren. Bei einer Nutzung von mehr als 2 Wochen steht Ihrem Nachbarn eine Nutzungsentschädigung zu. Sie selbst müssen umsichtig und so schadensfrei wie möglich dort agieren. Entstehen Schäden, dann sind Sie zum Schadensersatz verpflichtet, wobei es unerheblich ist, wer den Schaden verursacht hat.

Garagen auf der Grenze und Abstandsflächen

Garagen dürfen auf die Grenze gebaut werden. Ebenso ist es erlaubt, diese ohne eigene Abstandsflächen oder in die Abstandsfläche eines anderen Bauwerks hinein zu errichten. Voraussetzung dafür sind folgende Punkte:

  • Die Garage darf eine mittlere Wandhöhe von 3 m nicht überschreiten.
  • Pro Grenze darf eine Wandlänge von 9 m nicht überschritten werden. Insgesamt dürfen maximal 15 m der Grundstücksgrenzen direkt bebaut werden.

Diese Regelungen gelten unabhängig davon, ob die Garage mit oder ohne Baugenehmigung errichtet wird.

Beim Bauamt nachfragen – für eine sichere Planung

Jedes Bundesland hat andere Regeln, wenn es um die Errichtung von Gebäuden geht, neben der Bauordnung gelten viele weitere Verordnungen und Bestimmungen. Um genau zu wissen, welche Vorschriften beim Bau einer Garage einzuhalten sind, sollten Sie sich bereits bei den ersten Überlegungen beim Bauamt zum aktuellen Stand der Gesetzeslage informieren und auch bei der zuständigen Gemeinde vorsprechen. Benötigt Ihre Garage eine Baugenehmigung, übernimmt in der Regel der Entwurfsverfasser diese Aufgaben oder kann Fragen zum Projekt beantworten.