Garage bauen in Niedersachsen

Garage bauen in Niedersachsen

Bei der Neubauplanung wird die Garage in den meisten Fällen bereits mitgeplant. Als geschlossener Unterstand dient der Bau zum Witterungsschutz fürs Auto und bewahrt es vor Diebstahl, Einbruch und Vandalismus. Je nach Bedarf können Garagen als Einzel- oder Mehrfachgaragen geplant werden, möglich ist er Anbau ans Haus oder auch als Solitärgebäude. Ob Massiv- oder Fertiggarage hängt in der Regel vom Budget, aber auch vom Platz auf dem Grundstück ab. Bereits am Anfang muss geklärt werden, ob für die Garage eine Baugenehmigung erforderlich ist.

Die einzelnen Bundesländer haben individuelle Regeln, die in der Landesbauordnung festgelegt sind. In Niedersachsen können Sie Ihre Garage bis zu einer bestimmten Größe genehmigungsfrei errichten. Überschreitet die Garage die Abmessungen für genehmigungsfreie Bauten, müssen Sie einen Bauantrag stellen. Das ist zum Beispiel bei großen Mehrfachgaragen der Fall, aber auch dann, wenn die Garage an eine Einliegerwohnung angeschlossen ist. Ob mit oder ohne Baugenehmigung: Die Garage muss den baurechtlichen Vorschriften in Niedersachsen entsprechen. Nur dann ist sie genehmigungs- und nutzungsfähig. Wollen Sie in Niedersachsen eine Garage bauen, die der Genehmigungspflicht unterliegt, benötigen Sie für den Bauantrag einen bauvorlageberechtigten Objektplaner. Wählen Sie eine Fertiggarage, übernehmen die Hersteller zum Teil die Antragstellung als Zusatzleistung mit Extrakosten.

Der Bauantrag in Niedersachsen

Soll in Niedersachsen ein Neubau errichtet werden, dann muss bei der zuständigen Baubehörde ein Bauantrag gestellt werden. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, darf mit dem Bau begonnen werden. Damit der Antrag zügig bearbeitet werden kann, muss er die gesetzlich vorgeschriebenen Bauvorlagen umfassen. Grundsätzlich gilt dafür, dass alle Unterlagen eingereicht werden müssen, die für eine Beurteilung und Genehmigung des Gebäudes erforderlich sind. Innerhalb von 10 Tagen nach Eingang muss die Behörde prüfen, ob der Antrag vollständig ist und Ihnen etwaige Mängel mitteilen. Mit der Bearbeitung wird erst dann begonnen, wenn der Bauantrag vollständig vorliegt. Ab dann hat die Behörde zwei Monate – beim vereinfachten Baugenehmigungsverfahren einen Monat – Zeit für einen Entscheid. Diese Fristen sollten Sie einplanen und den Antrag rechtzeitig einreichen, damit es keine Verzögerungen auf der Baustelle gibt. Geringfügige Gebäude, zu denen auch Garagen zählen können, sind unter Umständen von der Genehmigungspflicht befreit. Dies ist in Niedersachsen laut Anlage zu § 60, Absatz 1 „Verfahrensfreie Baumaßnahmen“ unter folgenden Bedingungen der Fall:

  • Die Garage besitzt eine Grundfläche, die nicht größer als 30 m² ist und wird im Innenbereich errichtet.
  • Garagen, die innerhalb eines Bebauungsplans errichtet werden, wenn Sie den Anforderungen an den Bebauungsplan entsprechen.

Auch ohne Baugenehmigung muss Ihre Garage in Niedersachsen den baurechtlichen Vorschriften in der aktuellen Fassung entsprechen. Dabei sind auch eventuelle Gemeindesatzungen zu berücksichtigen. Die Bauvorlagen müssen bei der zuständigen Gemeinde eingereicht werden. Ausgenommen sind hierbei eventuell vorhandene Standsicherheitsnachweise für die Garage.

Ist Ihre Garage größer als 30 m², dann müssen Sie einen Bauantrag stellen. Das ist in der Regel der Fall, wenn Sie eine Mehrfachgarage oder eine Garage mit Einliegerwohnung planen. Damit der Bauantrag auch genehmigt wird, muss das Gebäude den baurechtlichen Vorschriften aus den relevanten Verordnungen entsprechen. Planen Sie ohnehin den Neu- oder Umbau eines Eigenheims, empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Antragstellung für die Garage gleich mitzuerledigen. Das gilt auch dann, wenn Sie den Baubeginn erst für später planen. Nach Erteilung der Baugenehmigung haben Sie eine Frist von 3 Jahren, in der Sie mit dem Bau beginnen können. Bei Bedarf und auf Antrag kann die Frist um weitere 3 Jahre verlängert werden.

Die Landesbauordnung für Niedersachsen (NBauO) und andere Regelwerke

Bundesweit gilt in Sachen Baurecht das Baugesetzbuch (BauGB). Darin sind die rechtlichen Grundlagen zur Errichtung von Bauwerken geregelt. Da das Baurecht auch Ländersache ist, gibt es zusätzlich landesweit gültige Verordnungen. In Niedersachen ist dies neben der Landesbauordnung für Niedersachsen zusätzlich Die DVNBauO, die Durchführungsverordnung zur Niedersächsischen Bauordnung, in der der Umgang mit Bauwerken und Bauteilen genauer geregelt ist. In der Bauvorlagenverordnung (BauVorlVO) des Landes finden Sie Regelungen zu den Bauvorlagen, die für das Bauantragsverfahren eingereicht werden müssen. Die Garagen- und Stellplatzverordnung (GaStplVO) legt fest, was beim Bau von genehmigungspflichtigen wie auch verfahrensfreien Garagen zu beachten ist. Schließlich sind auch die Technischen Baubestimmungen zu beachten. Welche der Regelungen und Normen in Niedersachen gültig sind, ist gesetzlich bestimmt. Nur dann, wenn die Vorgaben eingehalten sind, sind Bauwerke wie Wohnhäuser oder Garagen überhaupt genehmigungsfähig und dürfen genutzt werden. Das Niedersächsische Nachbarrechtsgesetz bietet Vorgaben dafür, wie mit Garagen auf der Grenze umgegangen wird, insbesondere für den Fall, dass Bauarbeiten durchgeführt werden müssen, die nur vom Grundstück des Nachbars aus machbar sind.

Das Niedersächsische Bauordnung

Der § 2 der NBauO legt fest, wann ein Gebäude überhaupt als Garage zu bezeichnen ist. Im Absatz 10 steht folgendes:

„Garagen sind Gebäude oder Gebäudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeugen. Garagen sind auch Parkhäuser. Ausstellungs-, Verkaufs-, Werk- und Lagerräume für Kraftfahrzeuge sind keine Garagen.“

Weiterhin enthält die Verordnung eine Auflistung aller genehmigungsfreien Bauten, dazu gehören auch Garagen bis zu der bereits genannten Größe.

Die Durchführungsverordnung zur Niedersächsischen Bauordnung

In der Durchführungsverordnung (DVBNBauO) sind genaue Angaben zu den einzelnen Bauteilen eines Bauwerks zu finden. Dies sind zum Beispiel die Umfassungswände und Decken sowie Dächer, Treppen, Fenster und Türen oder Abstellräume. Die Angaben aus der Verordnung sind verbindlich einzuhalten, für Kleingaragen gibt es verschiedene Ausnahmen und Einschränkungen, zum Beispiel hinsichtlich der Brandschutzvorkehrungen für tragende Bauteile.

Die Bauvorlagenverordnung Niedersachsen (BauVorlV)

Bauvorlagen dienen den Baubehörden zur Beurteilung eines Bauantrags und müssen in der Form und Anzahl eingereicht werden, die für die Bewertung nötig ist. Bauvorlagen, die im Zusammenhang mit einer Bauvoranfrage eingereicht werden, müssen nur insoweit vollständig sein, als es zur Beurteilung der Anfrage erforderlich ist. Ist eine Garage genehmigungsfrei, müssen bei der Baubehörde keine Bauvorlagen eingereicht werden.

Folgende Unterlagen sind im Bauantrag mindestens nötig, die Bauämter haben das Recht, zusätzliche Vorlagen zu verlangen:

  • Aktueller Auszug aus der amtlichen Karte
  • Einfacher Lageplan
  • Bauzeichnungen
  • Baubeschreibung mit Berechnungen
  • Standsicherheitsnachweis
  • Brandschutznachweis
  • Angaben zur Erschließung
  • Umweltauswirkungen

Im § 13 der Verordnung sind Angaben zur Aufbewahrungs- und Vorlagepflicht gemacht. Die Unterlagen müssen bis zum Abbruch des Gebäudes aufbewahrt werden. Damit sie auch nach langer Zeit noch einsehbar sind, müssen die Unterlagen aus lichtbeständigem Papier bestehen und im Forma DIN A4 vorliegen. Große Pläne werden DIN-gerecht auf das Format gefaltet.

Die Niedersächsische Garagenverordnung (GaStplVO))

Die Garagenverordnung von Niedersachsen definiert Garagen und macht Vorgaben zum Standort und zu den Bauteilen einer Garage. Ebenso ist festgelegt, in welche Kategorie eine Garage einzuordnen ist. Maßgeblich ist hierbei die Größe. Je nach Kategorie gelten für Garagen unterschiedliche Anforderungen. Die Einteilung erfolgt in Bezug auf die Nutzfläche:

  • Kleingaragen mit maximal 100 m² Nutzfläche
  • Mittelgaragen mit einer Nutzfläche zwischen 100 und 1.000 m²
  • Großgaragen mit einer Nutzfläche von mehr als 1.000 m²

Alle miteinander verbundenen Stell- und Verkehrsflächen einer Garage zählen zur Nutzfläche. Stell- und Verkehrsflächen auf dem Dach werden der Nutzfläche nicht zugerechnet. Geregelt sind auch die einzelnen Bauteile bzw. Elemente, die zur Garage bzw. zur Garagenanlage gehören. Die Verordnung legt dabei folgendes fest:

  • Der Abstand zwischen Garage und der Fahrbahn öffentlicher Verkehrsflächen darf 3 m nicht unterschreiten.
  • Vor dem Garagentor oder anderen zufahrtsbeschränkenden Bauteilen muss ein ausreichender Stauraum für wartende Kraftfahrzeuge bestehen, wenn Sicherheit und Ordnung des Verkehrs dies erforderlich machen.
  • Die Mindestabmessungen von Garagen sind mit einer Länge von 5 m und einer Breite von 2,3 m einzuhalten.
  • Trennwände zu Aufenthaltsräumen müssen für Kleingaragen mindestens feuerhemmend ausgeführt werden. Das gilt auch für Decken von Kleingaragen. Die feuerhemmende Ausführung kann entfallen, wenn die Kleingarage keine Abstellräume mit mehr als 20 m² Grundfläche enthält.
  • In Kleingaragen dürfen maximal 200 L Dieselkraftstoff und 20 L Benzin aufbewahrt werden. Dies gilt nur, wenn sich der Kraftstoff in dicht verschlossenen Behältern befindet.
  • Die Anforderungen der Durchführungsverordnung müssen eingehalten werden.

Grundsätzlich gilt außerdem, dass Sie Ihr Kraftfahrzeug nicht in anderen Räumen als Garagen abstellen dürfen, wenn das Fassungsvermögen aller in der Garage abstellten Fahrzeuge mehr als 12 L beträgt.

Das niedersächsische Nachbarrechtsgesetz

Als Nachbarn im Sinne des niedersächsischen Nachbarrechtsgesetzes gelten Eigentümer von Nachbargrundstücken oder Erbbauberechtigte, nicht aber dessen Mieter oder Pächter. Das Gesetz kommt dann zum Tragen, wenn ein Gebäude oder eine Garage auf die Grenze gebaut wird und Arbeiten nötig sind, die nicht ohne unzumutbaren Aufwand vom eigenen Grundstück aus erledigt werden können. Dann haben Sie als Garagen- und Grundstückseigentümer das Recht, das Nachbargrundstück zu nutzen. Dies ist in den §§ 47, 48 mit dem Hammerschlags- und Leiterrecht festgelegt. Die Nutzung ist dabei so schonend wie möglich auszuüben und auch nicht zur „Unzeit“. Das heißt im Klartext, dass Sie nicht mitten in der Vegetationsperiode im Gemüsegarten des Nachbarn ein Gerüst aufstellen dürfen. Richten Sie Schäden auf dem Grundstück an, steht dem Nachbarn dafür eine Entschädigung zu. Nutzen Sie das Grundstück länger als 10 Tage, dann müssen Sie für die Zeit der Benutzung eine Nutzungsentschädigung in Höhe der ortsüblichen Miete für einen gewerblichen Lagerplatz bezahlen.

Garagen und Grenzbebauung

Die Niedersächsische Bauordnung regelt für Abstandsflächen und den Bau von Garagen auf der Grundstücksgrenze das Vorgehen folgendermaßen:

  • Garagen dürfen ohne Abstand oder mit einem bis auf 1 m verringerten Abstand auf die Grundstücksgrenze gebaut werden.
  • Garagen dürfen auf dem gleichen Grundstück in die Abstandsflächen anderer Gebäude hineingebaut werden, wenn dadurch Tageslicht, Belüftung und Brandschutz nicht beeinträchtigt werden.
  • Auf die Grenze dürfen Garagen bis zu einer Länge von 9 m pro Grundstücksgrenze gebaut werden. Die Gesamtlänge der an die Grenze gebauten Wände darf 15 m nicht überschreiten.

Die genannten Ausnahmen von der Regelung zu Abstandsflächen und Grenzbebauung gelten dann, wenn die Garage keine Aufenthaltsräume und Feuerstätten enthält und nicht höher als 3 m ist.

Sicher planen durch sorgfältige Recherche

Damit ein Bau erfolgreich und mängelfrei geplant, genehmigt und errichtet werden kann, ist es wichtig, alle Voraussetzungen zu kennen. Eine gute Vorabinformation, die alle Verordnungen und Bestimmungen berücksichtigt ist dafür Grundlage. Deshalb sollten Sie sich gerade dann, wenn Sie eine genehmigungsfreie Garage planen, mit den Baubehörden, einem Planer und eventuell auch dem Hersteller Ihrer Fertiggarage beraten. Dies macht doppelt Sinn: Denn entspricht Ihre Garage nicht den Vorgaben, ist sie nicht genehmigungsfähig. Damit kommen unter Umständen Änderungen am Bauwerk oder sogar der Abriss auf Sie zu.