Garage in Bayern bauen: Was muss alles beachtet werden?

Zu jedem Eigenheim gehört mittlerweile auch mindestens eine Garage.

Sie dient als Unterstand für das Fahrzeug, bietet durch ein stabiles Tor den nötigen Einbruchschutz und je nach Größe und Grundriss auch die Möglichkeit zur Mehrfachnutzung.

So kann in den Garagenbau eine Einliegerwohnung, eine Werkstatt oder ein Abstellraum integriert sein.

Dass die Garage ordnungsgemäß konstruiert und gesetzeskonform auf dem Grundstück platziert wird, überprüfen die Behörden in vielen Fällen über einen Genehmigungsantrag. Als Bauherr müssen Sie der Behörde das Bauwerk genau darstellen.

Dabei dürfen Sie die Verantwortung für den Bauantrag und die Garage nicht selbst übernehmen. Das kann nur ein bauvorlageberechtigter Planer oder Architekt. Entscheiden Sie sich für eine Fertiggarage, kümmern sich zum Teil auch die Hersteller um die Antragstellung.

Das Wichtigste zuerst: Der Bauantrag

Für die Errichtung eines Bauwerks in Deutschland muss in den meisten Fällen eine Baugenehmigung eingeholt werden. Dies schreibt das Baugesetzbuch als bundesweit gültiges Regelwerk vor.

Wie genau die Baugenehmigung auszusehen hat und in welchen Fällen sie erforderlich ist, bestimmen die einzelnen Bundesländer in Ihren Landesbauordnungen. Dort wird zum Beispiel auch festgesetzt, welche Anforderungen eine Garage erfüllen muss, damit sie überhaupt errichtet werden kann.

In Bayern gelten dazu – je nach Größe und Lage der Garage folgende Regelung:

  • Als Genehmigungsfrei gelten Garagen und überdachte Stellplätze mit einer Gesamtnutzfläche von maximal 50 m² soweit sie nicht im Außenbereich liegen.
  • Liegt ein Bebauungsplan vor und erfüllt die Garage den Umstand der „Plankonformität“, dann ist auch für Garagen bis zu einer Nutzfläche von 100 m² kein Bauantrag nötig.

Bauwerke, für die keine Baugenehmigung gefordert wird, werden laut Gesetz als verfahrensfrei bezeichnet. Das bedeutet allerdings nur, dass die Antragstellung entfällt. Die Vorgaben der Landesbauordnung sowie der Garagen- und Stellplatzverordnung, aber auch die technischen Baubestimmungen müssen erfüllt sein.

Ebenso müssen die Abstandsflächen oder Vorgaben aus vorhandenen Bebauungsplänen eingehalten werden. Eine Prüfung durch die Baubehörden erfolgt nicht, werden Sie allerdings „erwischt“ kann die Bauaufsichtsbehörde die Nutzung verbieten oder sogar den Abriss verlangen.

Ein Antrag im Zusammenhang mit einer Garage muss immer dann gestellt werden, wenn es sich um eine Nutzungsänderung handelt, die andere Anforderungen an das Bauwerk stellt. Das gilt zum Beispiel, wenn eine Garage in eine Werkstatt oder einen Verkaufsraum umgewandelt werden soll.

Ist ein Bauantrag erforderlich, zum Beispiel, weil die Garage eine Einliegerwohnung besitzt oder die genehmigungsfreie Größe überschreitet, dann müssen alle Vorschriften aus der Landesbauordnung wie auch aus der Bauvorlagenverordnung eingehalten werden. Der Bauantrag muss von einem bauvorlageberechtigten Planer oder Architekten unterschrieben werden.

Planen Sie einen Neubau für den Sie ohnehin einen Bauantrag stellen müssen, empfiehlt es sich, die Garage gleich mitzubeantragen – das gilt auch dann, wenn Sie den Unterstand für Ihr Fahrzeug nicht sofort errichten wollen.

Die erteilte Baugenehmigung ist für einen Zeitraum von 4 Jahren gültig. Ist diese Frist beendet, dann erlischt die Genehmigung, außer Sie stellen einen schriftlichen Antrag auf Verlängerung um bis zu 2 Jahre.

Die bayerische Landesbauordnung (BayBO) und andere Regelwerke

Geht es um Gebäude, dann greifen neben dem bundesweit gültigen Baugesetzbuch in Bayern verschiedene weitere Gesetze und Verordnungen. Dazu gehört in erster Linie die BayBO als Regelwerk des Bauordnungsrechtes sowie die bayerische Bauvorlagenverordnung (BauVorlV).

Diese bestimmt, welche Unterlagen für den Bauantrag eingereicht werden müssen und wie diese auszusehen haben. Wenn es um Garagen geht, spielt weiterhin die „Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen sowie über die Zahl der notwendigen Stellplätze“ (Garagen- und Stellplatzverordnung – GaStellV) eine wichtige Rolle.

Schließlich gibt es noch verschiedene Technische Baubestimmungen. Dabei handelt es sich um Normen und Richtlinien, die bei Konstruktion und Bau eines Gebäudes eingehalten werden müssen, damit diese überhaupt genehmigungsfähig werden.

Wird ein Gebäude auf einem Grundstück errichtet, dann gelten bestimmte Regelungen zum Abstand von Grenzen oder anderen Gebäuden. Wie sich diese errechnen, bestimmt die Landesbauordnung. Teilweise können auch die Regelungen im Nachbarrechtsgesetz Bayern eine Rolle spielen. Diese finden sie im Abschnitt 7 des Gesetzes.

Das Bayerische Bauordnung

In der BayBO sind Garagen im Artikel 52 definiert. Folgende Regelungen für Standort und Konstruktion der Garagen sind dort festgelegt:

  • Garagen sind auf dem Baugrundstück herzustellen, alternativ auch in dessen Nähe auf einem geeigneten Grundstück.
  • Garagen und ihre Nebenanlagen müssen verkehrssicher sein und die Brandschutzverordnungen erfüllen.
  • Es muss eine Lüftungsmöglichkeit bestehen.
  • Die Anordnung der Garage darf die Gesundheit nicht schädigen sowie das Arbeiten, Wohnen und die Ruhe in der Umgebung nicht beeinträchtigen.
  • Die Garage muss vom öffentlichen Verkehrsraum aus möglichst sicher und auf kurzem Wege erreichbar sein.
  • Garagen dürfen nicht zweckentfremdet genutzt werden.

Die Bauvorlagenverordnung

Die bayerische Bauvorlagenverordnung definiert die Bauvorlagen im § 1 wie folgt:

„Bauvorlagen sind die einzureichenden Unterlagen, die für die Beurteilung des Bauvorhabens und die Bearbeitung des Bauantrags (Art. 64 Abs. 2 Satz 1 BayBO), für die Anzeige der beabsichtigten Beseitigung (Art. 57 Abs. 5 Satz 2 BayBO) oder für die Genehmigungsfreistellung (Art. 58 Abs. 3 Satz 1 Halbsatz 1 BayBO) erforderlich sind. 2Bautechnische Nachweise gelten auch dann als Bauvorlagen im Sinn dieser Verordnung, wenn sie der Bauaufsichtsbehörde nicht vorzulegen sind.“

Weiterhin gilt für die Pläne und Unterlagen:

  • Dass sie auf altersbeständigem und lichtbeständigem Papier hergestellt sein müssen
  • Dass sie im DINA 4 Format eingereicht oder auf dieses gefaltet sein müssen
  • Amtliche Vordrucke sind zu verwenden
  • Die Bauaufsichtsbehörde darf ein Modell oder weitere Nachweise zur Beurteilung des vorhabens verlangen.

Garagen- und Stellplatzverordnung

In der GaStellV ist festgelegt, was eine Garage ist und welche Anforderungen sie erfüllen muss. Ebenfalls befasst sich die Verordnung mit offenen Garagen – den Carports – und ganz allgemein mit Stellplätzen im privaten und öffentlichen Verkehrsraum.

Garagen sind in der Verordnung im § 1 in Abgrenzung zum Carport folgendermaßen definiert:

„(1)

  • Offene Garagen sind Garagen, die unmittelbar ins Freie führende unverschließbare Öffnungen in einer Größe von insgesamt mindestens einem Drittel der Gesamtfläche der Umfassungswände haben.
  • Offene Mittel- und Großgaragen haben diese Öffnungen mindestens in gegenüberliegenden Umfassungswänden, die nicht mehr als 70 m voneinander entfernt sind.
  • Stellplätze mit Schutzdächern (Carports) gelten als offene Garagen.

(2) Geschlossene Garagen sind Garagen, die die Voraussetzungen nach Abs. 1 nicht erfüllen.

(3) Oberirdische Garagen sind Garagen, deren Fußboden im Mittel nicht mehr als 1,50 m unter oder mindestens an einer Seite in Höhe oder über der Geländeoberfläche liegt.“

Weiterhin sind die Garagen nach Größe unterschieden:

  • Bis zu einer Nutzfläche von 100 m2 spricht man von Kleingaragen,
  • über 100 m2 und bis 1000 m2 von Mittelgaragen,
  • über 1000 m2 Nutzfläche werden Garagen als Großgaragen bezeichnet.

In der Verordnung gibt es zu den einzelnen Elementen einer Garage detaillierte Angaben. Die beziehen sich zum Beispiel auf die Zufahrten, lichte Höhen, tragende Wände oder auch den Brandschutz.

Im Einzelnen ist unter anderem Folgendes vorgeschrieben:

  • Die Länge der Zu- und Abfahrt zwischen Garage und öffentlichen Verkehrsfläche muss mindestens 3 m betragen.
  • Die lichte Höhe einer Garage muss mindestens 2 m betragen.
  • Zwischen Kleingaragen und Gebäuden anderer Nutzung (außer Abstellräumen) muss eine feuerhemmende Trennwand vorhanden sein.

Ebenfalls in der Garagenverordnung festgelegt ist, dass Kraftfahrzeuge nicht in anderen Räumen als Garagen abgestellt werden dürfen, bzw. dass dann bestimmte Anforderungen erfüllt sein müssen.

Nachbarrechtsgesetz Bayern

Dieses Gesetz kann zum Beispiel herangezogen werden, wenn Sie eine auf die Grenze gebaute Garage nachträglich wärmedämmen wollen und die neue Dämmung in das Nachbargrundstück hineinragt (Artikel 46a).

Auch wenn Arbeiten an der Garage ausgeführt werden müssen, die Sie ohne größeren zusätzlichen Aufwand nur vom Nachbargrundstück aus durchführen können, muss dies von Ihren Nachbarn geduldet werden.

Dies ist im Artikel 46b „Hammerschlags- und Leiterrecht“ festgelegt. Entstehen dem Nachbarn dadurch Schäden, müssen diese von Ihnen als Garagenbesitzer ersetzt werden.

Garagen und Grenzbebauung

Hinsichtlich der Abstandsflächen spielt immer auch die Grenzbebauung eine wichtige Rolle, für Garagen gibt es dazu in Bayern folgende Regeln:

  • Pro Grundstücksgrenze darf eine Garage bis auf maximal 9 Meter ohne Abstand entlang der Grenze angebaut werden.
  • Garagen dürfen innerhalb der Abstandsflächen eines Gebäudes und ohne eigene Abstandsflächen errichtet werden und zwar auch dann, wenn die Garage nicht an die Grenze gebaut ist.

Die Regelungen gelten für Garagen mit einer mittleren Höhe von maximal 3,0 m und einer maximalen Größe von 50 m².

Erst informieren – dann bauen

Grundsätzlich ist es bei jedem Bauvorhaben – so auch bei Garage – sich grundsätzlich über die Gesetze und Verordnungen zu informieren und zwar vor Baubeginn.

Starten Sie bereits mit dem Garagenbau und stellt sich später heraus, dass eine Baugenehmigung erforderlich wäre oder dass die Garage falsch auf dem Grundstück positioniert ist, ist das mit zusätzlichen Kosten verbunden und im schlimmsten Fall sogar mit einem Abriss des Gebäudes.