Garage in Baden-Württemberg bauen: Was gilt es zu beachten?

Kein Eigenheim mehr ohne Garage.

Ob als Einzel- oder Doppelgarage, der Unterstand fürs Fahrzeug ist heute Bestandteil nahezu jeder Hausplanung.

Die verschiedenen Garagenvarianten bieten nicht nur einen Witterungsschutz, auch Diebstahl oder Bestätigung am Fahrzeug werden wirksam vermieden. Mit dem richtigen Grundriss wird die Garage sogar noch für die Mehrfachnutzung geeignet:

So kann sie als Massivgarage mit einer Einliegerwohnung überbaut werden, auch Abstell- oder Hobbyräume ergänzen das Nutzgebäude.

Ob für eine Garage eine Baugenehmigung erforderlich ist und welche Anforderungen das Bauwerk erfüllen muss, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In Baden-Württemberg sind Garagen genehmigungsfrei, wenn der umbaute Raum nicht mehr als 40 m³ beträgt.

Auch bei Genehmigungsfreiheit gilt allerdings: Das Bauwerk muss den bauordnungsrechtlichen und den bauplanrechtlichen Vorschriften im Bundesland entsprechen. Wird für die Garage ein Bauantrag benötigt, dann muss dieser von einem bauvorlageberechtigten Planer oder Architekten oder vom Hersteller der Fertiggarage erstellt und eingereicht werden.

Der Bauantrag in Baden-Württemberg

Grundsätzlich gilt, dass Sie für die Errichtung eines Bauwerks in Baden-Württemberg ein Bauantrag stellen müssen. Erst wenn die Baugenehmigung von den Baubehörden erteilt ist, darf mit der Errichtung des Gebäudes begonnen werden.

Allerdings sieht der Gesetzgeber auch Ausnahmen vor, diese sind in der LBO Baden-Württemberg aufgelistet. Ebenfalls in der LBO zu finden sind grundsätzliche Vorgaben rund um den Garagenbau, die in weiten Teilen auch für andere Gebäude gelten.

Hinsichtlich der Genehmigung einer Garage in Baden-Württemberg oder auch in Sachen Verfahrensfreiheit gelten folgende Regelungen:

  • Garagen einschließlich überdachter Stellplätze mit einer mittleren Wandhöhe bis zu 3 m und einer Grundfläche bis zu 30 m², sind außer bei der Errichtung im Außenbereich, verfahrensfrei.

Braucht eine Garage keine Baugenehmigung, kann sie verfahrensfrei errichtet werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie völlig freie Bahn haben. Denn auf jeden Fall muss das Bauwerk den baurechtlichen Vorschriften entsprechen.

Weiterhin sollten Sie beachten, dass Gemeinden durch ihre Satzung auch bei verfahrensfreien Bauwerkern ein sogenanntes Kenntnisabgabeverfahren festlegen können. In diesem Fall müssen Sie mit dem Baubeginn eine Bautafel aufstellen, auf der folgende Informationen zu finden sind:

  • Bezeichnung des Bauvorhabens
  • Name und Anschrift von Entwurfsverfasser und Bauleiter
  • Name und Anschrift des Unternehmens, das die Rohbauarbeiten ausführt.

Soll bei einem bestehenden Gebäude oder einer Garage eine Nutzungsänderung vorgenommen werden, ist in der Regel ein Antrag erforderlich. Ausnahme: Die neue Nutzung stellt keine neuen Anforderungen an das Bauwerk, zum Beispiel hinsichtlich Wärme- oder Brandschutz.

Erhöhen sich diese Anforderungen, zum Beispiel weil eine Garage in einen Verkaufsraum umgebaut werden soll, muss dies beantragt und genehmigt werden.

Für einige Garagen muss ein Bauantrag eingereicht werden, zum Beispiel wenn die maximale Größe oder Höhe für die verfahrensfreie Garage überschritten wird oder eine Garage mit Einliegerwohnung geplant ist. In diesem Fall müssen Sie mit dem Antrag alle Vorschriften die Landesbauordnung und Bauvorlagenverordnung vorgeben, auch erfüllen.

Bei der Planung eines neuen Eigenheims sollte die Garage gleich mit im Bauantrag benannt werden. Dies erspart doppelten Aufwand. Sie sollten die Beantragung auch dann vornehmen, wenn die Garage erst später gebaut werden soll. Sie haben dazu ab Erteilung der Baugenehmigung vier Jahre Zeit und können die Geltungsdauer nochmals verlängern.

Die Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO) und andere Regelwerke

Das bundesweit gültige Baugesetzbuch sowie viele andere Verordnungen, Richtlinien und Regelwerke sind die maßgebliche Orientierung und gesetzliche Grundlage, wenn es um den Bau von Häusern und andere Gebäuden geht. Innerhalb der Länder werden die Richtlinien des BauGB mittels einer Landesbauordnung (LBO) konkretisiert.

Zusätzlich sorgt die Bauvorlagenverordnung dafür, dass nötige Unterlagen beim Bauamt oder anderen Behörden ordnungsgemäß und regelkonform eingereicht werden.

Wenn es um den Garagenbau in Baden-Württemberg geht, spielt weiterhin die Verordnung des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur über Garagen und Stellplätze (Garagenverordnung – GaVO) eine wichtige Rolle.

Dort ist definiert, welche Anforderungen eine Garage erfüllen muss. Die Technischen Baubestimmungen legen in Normen und anderen Richtlinien fest, welche Konstruktionsgrundlagen einzuhalten sind. Nur dann wird ein Bau genehmigungsfähig oder dessen Errichtung und Benutzung überhaupt zulässig.

Insbesondere dann, wenn eine Garage auf die Grundstücksgrenze gebaut werden soll, greift in einigen Fällen auch das Nachbarschaftsgesetz Baden-Württemberg.

Das Landesbauordnung Baden-Württemberg

Im § 37 der LBO Baden-Württemberg sind Garagen folgendermaßen definiert:

  • Garagen müssen auf dem Baugrundstück hergestellt werden, auf dem das Wohnhaus steht, alternativ ist auch eine Errichtung in zumutbarer Nähe möglich.
  • Garagen müssen so angeordnet sein, dass sie nicht mit Kinderspielplätzen kollidieren.
  • Die Garage darf an Ihrem Standort die Gesundheit der Anwohner nicht schädigen und das Arbeiten, Wohnen und die Ruhe in der Umgebung nicht beeinträchtigen.
  • Garagen dürfen nicht zweckentfremdet genutzt werden, das Abstellen von Wohnwagen und Fahrzeuganhängern in der Garage ist erlaubt.

Die Bauvorlagenverordnung Baden-Württemberg

Die Verordnung der Landesregierung, des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur und des Umweltministeriums über das baurechtliche Verfahren (Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung – LBOVVO) differenziert zwischen Bauvorlagen im Kenntnisabgabeverfahren und im Genehmigungsverfahren und benennt allgemeine Anforderungen im § 3.

Dies sind insbesondere folgende:

  • Die Bauvorlagen müssen auf dauerhaftem Papier sein und lichtbeständig hergestellt werden.
  • Die Vorlagen müssen über einen Heftrand verfügen und entweder in der Größe DIN A 4 vorliegen oder auf dieses Format gefaltet sein. Dies gilt nicht, wenn die Einreichung auf elektronischem Wege erfolgt.

Garagenverordnung (GaVO)

In der Garagenverordnung Baden-Württemberg sind Garagen und die Anforderungen, die an Standort, Konstruktion und Funktion gestellt werden, genau definiert. Garagen sind in der Verordnung im § 1 in Abgrenzung zum Carport folgendermaßen definiert:

„(1) Offene Garagen sind Garagen, die

1. unmittelbar ins Freie führende unverschließbare Öffnungen in einer Größe von insgesamt mindestens einem Drittel der Gesamtfläche der Umfassungswände haben,

2. diese Öffnungen in mindestens zwei sich gegenüberliegenden und nicht mehr als 70 m voneinander entfernten Umfassungswänden haben und

3. eine ständige Querlüftung haben.

(2) Geschlossene Garagen sind Garagen, die die Voraussetzungen des Absatzes 1 nicht

erfüllen.

(3) Oberirdische Garagen sind Garagen, deren Fußboden im Mittel nicht mehr als 1,5 m unter der Geländeoberfläche liegt.“

Hinsichtlich ihrer Größe sind Garagen in drei Kategorien unterteilt, die von der Nutzfläche abhängen:

  • Bis 100 m2 spricht man von Kleingaragen,
  • über 100 m2 und bis 1000 m2 von Mittelgaragen,
  • über 1000 m2 Nutzfläche werden Garagen als Großgaragen bezeichnet.

Hinsichtlich der Nutzflächenberechnung gibt der § 1, Satz (7) folgendes vor:

„Die Nutzfläche einer Garage ist die Summe aller miteinander verbundenen Flächen der Garagenstellplätze und der Verkehrsflächen. Die Nutzfläche einer automatischen Garage ist die Summe der Flächen aller Garagenstellplätze. Stellplätze auf Dächern (Dachstellplätze) und die dazugehörigen Verkehrsflächen werden der Nutzfläche nicht zugerechnet, soweit in § 2 Abs. 5 nichts anderes bestimmt ist.“

Im Folgenden sind die einzelnen Garagenkomponenten in der Verordnung hinsichtlich der einzuhaltenden Anforderungen genau beschrieben, vor allem für Mittel- und Gr0ßgaragen gibt es eine Vielzahl von Regeln.

Für die Kleingaragen, die üblicherweise im Einfamilienhausbau relevant sind, ist folgendes zu beachten:

  • Garagenstellplätze müssen mindestens 5 m lang sein. Sind sie hintereinander und parallel zur Fahrgasse angeordnet, ist eine Länge von 6 m vorgeschrieben.
  • Die lichte Breite einer Garage muss mindestens 2,30 m betragen. Garagen für Behinderte mindestens 3,50 m breit.
  • Die Verbindung mit anders genutzten Räumen oder Gebäuden muss mit mindestens dichtschließenden Türen erfolgen.
  • In Kleingaragen ist eine natürliche Lüftung ausreichend.

Grundsätzlich gilt außerdem, dass Sie Ihr Kraftfahrzeug nicht in anderen Räumen als Garagen abstellen dürfen.

Garagen und Grenzbebauung

Für Garagen gelten abweichend zu den anderen Regelungen rund um die Abstände zwischen Bauwerken und von Grenzen verschiedene Besonderheiten:

  • Garagen dürfen ohne eigene Abstandsflächen bzw. innerhalb der Abstandsflächen anderer Gebäude errichtet werden.
  • Werden Garagen an die Grenze gebaut, dürfen entlang einer einzelnen Nachbargrenze 9 Meter und insgesamt maximal 25 Meter bebaut werden.

Die genannten Regelungen aus dem § 6 LBO gelten für Garagen mit einer mittleren Höhe von maximal 3,0 m und einer Wandfläche von maximal 25 m².

Anruf genügt – Vor dem Garagenbau vorinformieren!

Damit bei Ihrem Bauvorhaben nichts schief geht, empfiehlt es sich, bereits in der Planungsphase der Garage Informationen hinsichtlich der Genehmigungspflicht beim Bauamt einzuholen.

Auch Planer oder Architekten kennen sich in diesen Belangen bestens aus. Sie erhalten Informationen darüber, ob Ihre Garage verfahrensfrei bleibt, ob ein Kenntnisabgabeverfahren oder sogar ein gesamter Bauantrag nötig ist.

Wer unberechtigt baut und später vom Bauamt erwischt wird, muss den Bauantrag nachreichen und mit zusätzlichen Kosten rechnen. Entspricht die Garage in Baden-Württemberg nicht den amtlichen Vorschriften, muss sie schlimmstenfalls wieder abgerissen werden.